Alle, die sich für die Rohfütterung interessieren und weitere Fragen haben, können sich gerne auch direkt an mich wenden. Ich würde mich freuen, wenn andere Barfer aus dem Forum das Ganze ergänzen oder auch Kritik üben würden.
Barf steht für Biologisch artgerechtes rohes Futter, wobei das eigentlich nicht die korrekte Übersetzung des ursprünglich englischen Begriffes ist. Im Englischen heißt das eigentlich "Bones And Raw Foods" (Knochen und rohes Futter). Bei Hunden ist diese Art der Fütterung schon mehr verbreitet, was zu einem großen Teil daran liegt, dass man bei Hunden nicht ganz so viel beachten muss wie bei Katzen. Dazu später mehr, es gibt übrigens auch Vertreter der Rohfütterung, die meinen, Katzen barfen ist genauso wie Hunde barfen. Nachdem, was ich bisher über Katzenernährung und Katzenverdauung gelesen habe, bin ich allerdings der Meinung, dass man das nicht so sagen kann. Da muss sich jeder eine eigene Meinung bilden, nachdem er sich ein bisschen eingelesen hat.
Ich will hier mal die ersten Barfschritte aufzeigen, nach denen auch ich vorgegangen bin. Inzwischen bin ich 100% Barferin, meine Miezen kriegen kein Fertigfutter mehr.
Für den Anfang:
20% der Gesamtfuttermenge kann man zunächst mal durch rohes Fleisch ohne weitere Zusätze ersetzen. Dabei ist zu beachten, dass man kein Schweinefleisch verfüttern sollte. Schweinefleisch könnte den Aujeszky-Virus enthalten, welcher für Katzen tödlich ist. Seit 2003 ist Deutschland angeblich aujeszkyfrei, allerdings würde ich das sicherheitshalber trotzdem nicht füttern.
Verfüttern könnte man:
Geflügel: ganze Hühner, Puten, Enten, Gänse, Wachteln oder Küken. Mit Haut ist das ganze eher fetthaltig, ohne Haut eher mager. Geflügelfleisch ist leicht verdaulich und beliebt bei den meisten Katzen
Rind: Muskelfleisch, Kopffleisch, Backenfleisch, Maulfleisch, Lefzen, Herz, Leber, Niere, Pansen, Blättermagen, Saumfleisch, Stichfleisch (gibts oft umsonst beim Metzger), Kronfleisch. Rindfleisch ist eher mager.
Lamm: Vom Lamm kann eigentlich alles ähnlich wie beim Rind verfüttert werden, nur Magen und Därme soll man nicht verfüttern, da sich dort viele Parasiten tummeln. Lammfleisch ist eher fett.
Pferd: Muskelfleisch, Fleischabschnitte (möglichst Pferdefleisch nur füttern, wenn eine Nahrungsmittelallergie auftritt bzw. sich das "aufsparen" für den Fall einer auftretenden Allergie).
Kaninchen, Hasen: Alles außer Gedärme
Wild: Muskelfleisch. Wildfleisch ist sehr kalorienarm und leicht verdaulich. Hier kein Wildschwein füttern
Fisch: rohe Fische oder Fischfilet: Seelachsfilet, Alaska-Seelachs, Rotbarschfilet, Karpfen, Schleie, Sardinen, Thunfisch, Forellen, Makrelen, Kabeljau, Schellfisch, Hering, Aal. Salzwasserfische sind Süßwasserfischen vorzuziehen. Lachs dient als Supplement für Vitamin D
Generell kann man auch Knochen mit füttern (gewolft oder roh). Z. B. sind Hühnerflügel oder Hühnerhälse (gibts auch getrocknet) ein großer Knabberspaß, wenn die Katzen es denn essen. Knochen darf man nie gekocht füttern, dann splittern sie. Knochen aus der Hühnerkeule sind zu groß, die sollte man generell wolfen. Allerdings darf man nicht zu viele Knochen füttern, das gibt Knochenkot. Das Futter (das bezieht sich auf die Gesamtfuttermenge) darf höchstens zu einem Drittel aus Knochenfleisch bestehen.
Knochen sind ungewolft erstmal gut für die Zähne und enthalten außerdem Kalzium. Durch das extreme Kauen (der ganze Körper wird dadurch angestrengt), stärkt das außerdem die Muskulatur.
Details zu den Fleischsorten findet man im oben genannten Buch auf S. 53ff. Wenn man nur 20% barft, kann man da aber eigentlich nicht viel falsch machen. Das wichtigste wäre Abwechslung in der Zusammensetzung, also nicht nur stumpf eine Sorte, sondern lieber mischen bzw. die Mischung verändern.
Ich z. B. fütter momentan zwar ausschließlich Huhn und Pute, aber ich hab jedes Mal eine andere Zusammensetzung. Mal mehr Mägen, mal mehr Herzen, mal mit gewolftem Knochen, mal ohne...
Fleischsorten würde ich nicht so oft wechseln, höchstens am Anfang, um zu testen, was die Katzen mögen.
Und man sollte sich Fleischsorten aufsparen, also gar nicht füttern, damit man sie im Falle einer Allergie füttern kann (Lamm, Pferd, Wild).
Zur Verarbeitung im großen Stil:
- leicht im Kühlschrank angetautes Fleisch (wenn gefroren gekauft) lässt sich sehr gut schneiden oder wolfen
- Während des Auftauens, das Tauwasser auffangen und dann wegschütten (!!)
- Fleisch vor der Verarbeitung abwaschen und trockentupfen (Salmonellen sind wenn, dann an der Oberfläche des Fleisches)
- sauberer Arbeitsplatz, gewaschene Hände, evtl. Aidshandschuhe (ist sehr viel angenehmer, als immer so das kalte, rohe Fleisch zu bearbeiten)
- scharfe Messer, großes Schneidebrett, Fleischwolf, Hackebeil, jede Menge Schüssel, Schere, Geflügelschere
- Lappen oder Schwämme, die zum Reinigen genutzt wurden wegwerfen oder bei 90° waschen.
Zur Aufbewahrung:
Fleisch bekommt man am billigsten, wenn man es in großen Mengen kauft, das heißt, man müsste es einfrieren (am besten schon Portionsweise in entsprechender Größe). Wenn man es auftaut, dann bitte im Kühlschrank schonend auftauen und dabei die Packung öffnen. Unter Luftabschluss könnten sich für die Katze gefährliche Bakterien bilden. Im Kühlschrank (unter 7°) können sich evtl. übriggebliebene Salmonellen nicht vermehren. 500g im Kühlschrank aufzutauen dauert ca. 12 Stunden.
Futter zum Auftauen nicht in die Mikrowelle stellen. Falls man mal vergessen hat, aufzutauen, notfalls im warmen Wasserbad auftauen.
Zur Fütterung:
- Wenn die Katzen es noch gar nicht kennen, sollte man mit gewolftem Fleisch anfangen.
- Wenn die Katzen keine/wenig Zähne haben oder Probleme mit den Zähnen, dann sollte man zumindest den Großteil auch weiterhin wolfen und nur vorsichtig und langsam die Stückgröße erhöhen.
- Nach und nach kann man die Stücke größer machen (bis hin zu Gulasch bzw. Mausgröße).
Anmerkung: Da die Katzen nicht gewohnt sind, sowas hartnäckiges wie Fleisch zu kauen, bekommen sie wohl anfangs mal Muskelkater, darum behutsam die Größe verändern
- Das Fleisch sollte nicht Kühlschrank-kalt verfüttert werden, darum sollte man es kurz vor der Fütterung schon rausstellen oder (so mach ich es) warmes Wasser darüber geben. Das bietet sich bei mir an, weil ich eh noch Wasser zu meinem Rezept tun muss, welches ich nie komplett mit einfriere... In die Mikrowelle soll man es, wie erwähnt, auf keinen Fall stellen, da das mehr kaputt macht als hilft (insbesondere mit eingefrorene Vitamine, Mineralien, Taurin...)
- Man sollte die Katzen an einem Ort füttern, wo man Boden und Wände (!!) abwischen kann... Rohes Fleisch in Stücken wird oftmals noch totgespielt
- Es kann Futterneid unter den Katzen entstehen, dann sollte man sie getrennt füttern (habe ich bei unseren überhaupt nicht beobachten können, sie sind viel relaxter beim Essen, ich füttere sie zwar in getrennten Räumen, aber mit offenen Türen)
Wenn die Katzen es nicht wollen:
- beliebtes Trockenfutter bröseln und ein wenig über das Futter streuen
- Gewolftes mit heißen Wasser leicht überbrühen, damit es von außen angegart ist. Von Tag zu Tag weniger angaren
- Nassfutter (ganz wenig) mit darunter mischen
- eine extra dickflüssigere Soße zubereiten (hab ich keine Erfahrung mit, half aber bei vielen anderen aus dem anderen Forum)
Was man nicht machen sollte:
- Nassfutter und Rohes mischen, da die Verdauung das nicht gut ab kann. Zwischen roh und FeFu sollten 5 Stunden liegen. FeFu wird nämlich anders verdaut als rohes Fleisch.
- Leber darf man nicht so viel füttern, da eine Überversorgung von Vit. A zu Schäden an der Wirbelsäule führen kann (bei langanhaltender Fehlfütterung). Auf 1 kg Fleisch kommen 30-50g Hühnerleber.
- Knochen kochen
Pimp my food (hier gehts an's Eingemachte):
Wenn man dann die Katzen so langsam (mindestens 2 Wochen) an rohes Futter gewöhnt hat, kann man anfangen, noch ein wenig dazu zu tun.
Spätestens an dieser Stelle sollte man auch anfangen, sich einzulesen, wenn man im großen Stil barfen will. Die Supplementierung bei Katzen ist nicht ganz trivial und man kann auch jede Menge falsch machen.
Ich beziehe mich hier ausschließlich auf die natürliche Supplementierung, das heißt, ich nehme keine Fertigmischung. Diese Fertigmischungen, wie z. B. Easybarf, kann man wohl zum Einstieg nehmen (man muss weniger anmischen), aber auf Dauer sind diese Mischungen nicht ausgewogen. Außerdem ist natürlich barfen nicht komplizierter (rechnen muss man trotzdem) und dafür aber viel billiger und eben gesünder. Auch bei Easybarf muss man nämlich noch Supplemente hinzufügen.
Taurin wäre so das erste, was mir einfiele. Taurin sollte man in warmem Wasser auflösen und über das Futter geben. Die Katze benötigt 30mg pro kg Körpergewicht pro Tag (Mindestdosis). Taurin kann man mit dem Fleisch einfrieren (in Wasser aufgelöst zu dem Fleisch geben) oder aber kurz vor der Fütterung dazu geben.
Lachsöl wäre ein weiterer Kandidat zur Verbesserung. Es ist gut für das Fell und ein geringerer Fellverlust stellt sich ein. Man kann täglich einfach ein, zwei Tropfen auf das Futter geben oder es auch mit einfrieren.
Wie schon erwähnt ist Lachs ein guter Vit. D Spender. 200g Lachs pro Monat deckt den Bedarf einer Katze, man kann sich also aussuchen, ob man einmal die Woche eine Lachsmahlzeit einlegt oder lieber die 200g mit unter das gewolfte Futter für einen Monat mischt. Kommt auch immer drauf an, wie die Katzen das mögen. Diese Menge bezieht sich jetzt auf Vollbarfen, insofern kann man bei 20% die Lachsmenge auf 40g pro Monat (es darf sicherlich an und an ein bisschen mehr sein) verringern.
Bierhefe deckt den Vit. B Bedarf, Weizenkeimöl den Bedarf an Vit. E. Wenn man das allerdings alles supplementieren will, sollte man sich erstmal schlau lesen
Wer noch mehr will:
Ein weiteres wichtiges Thema ist Kalzium und Phosphor, welches im richtigen Verhältnis gefüttert werden muss. Wenn man bei 20% bleibt, ist das noch kein Problem, schon gar nicht, wenn man zwischendurch Knochen gewolft oder Flügel und Hälse füttert. Geht man über die 20% muss man sich Gedanken über das Verhältnis machen. Das Fleisch enthält viel Phosphor , für den Bedarf an Kalizium kann man Knochen, Kalzium-Citrat, Kalzium-Carbonat oder (am billigsten) gemörsterte Eierschale füttern. Das Kalzium-Phosphor-Verhältnis sollte 1,15:1 betragen. Dazu muss man dann Nährstofftabellen heranziehen, um zu gucken, welches Fleisch wie viel Phosphor hat.
Schweine- oder Gänseschmalz (natürlich ungewürzt) kann man dazu geben, wenn das Fleisch zu mager ist. Schweineschmalz eignet sich da eher, mögen viele Katzen aber leider nicht. Ballaststoffe in Form von Sesam, Hirseflocken oder geraspelten Karotten dürfen auch zu 5% ins Futter. Karotten sind sehr gut für die Verdauung. Bei Verdauungsproblemen gibt es eine spezielle Karottensuppe.
Morosche Karottensuppe: http://www.kritische-tiermedizin.de/ern ... rotten.htm" onclick="window.open(this.href);return false;
Weitere Supplemente wären noch Eisen (Blut, Fortain, Milz) und Jod (Seealgenmehl) sowie Meersalz.
Die Menge dieser Supplemente kann man anhand von Nährstofftabellen und Bedarfswerttabellen von Katzen errechnen und wenn man den Dreh erstmal raus hat, ist das wirklich einfach. Insbesondere, wenn man einen Barfkalkulator benutzt.
Ich gehe meistens so vor, dass ich Fleisch kaufe (Putenbrust, Hühnerkeulen mit Haut und Knochen, Hühner- oder Putenmägen und -herzen, manchmal Flügel, etwas Leber und etwas Lachs) und dann alles mit entsprechendem Gewicht in den Kalkulator eingebe. Dieser sagt mir dann, was ich an Supplementen dazu geben muss. Manchmal muss man noch ein wenig rumtricksen, weil die Supplemente voneinander abhängen. Den Dreh bekommen man aber schnell raus. Außerdem rate ich jedem, sich dann im dubarfst.eu-Forum anzumelden, dort wird einem immer recht schnell bei Fragen geholfen.
Fütterungsmenge:
Generell sagt man, dass die Katze 25-30g Fleisch pro kg Körpergewicht pro Tag bekommen soll. Da zählen noch nicht die Suppis zu. Je aktiver die Katze, desto mehr Fleisch, faulen Katzen reichen 18g / kg Körpergewicht, sehr aktiven 33g / kg Körpergewicht. Das bedeutet für eine normale 4 kg Katze, dass sie 100g Fleisch pro Tag bekommen sollte. Also wenn man nur 20% barfen will, füttert man 20g am Tag roh. Von dem anderen Futter lässt man 20% weg. Man sollte hierbei, wie schon geschrieben, die Fütterungszeit beachten. Zwischen roh und FeFu sollten 5 Stunden Abstand liegen.
Übergewichtige Katzen sollten natürlich eher mageres Fleisch bekommen, zu dünne eher fettiges (Geflügel mit Haut). Schweine- oder Gänseschmalz eignet sich bei zu dünnen Katzen ganz hervorragend noch als Suppi.
Unterschiede in der Menge und auch in der Zusammenstellung des Futters gibt es, wenn man z. B. Kitten, tragende Katzen oder Senioren hat. Außerdem muss man diverse Dinge bei kranken Katzen beachten. Das alles gilt aber nur, wenn man die 20%-Hürde überschreiten will. Ältere Katzen sollten beispielsweise weniger Knochen und statt Weizenkeimöl Vit. E-Tropfen bekommen, tragende Katzen fressen 25-50% mehr und sollten auf mehrere Mahlzeiten verteilt und mit mehr Wasser gefüttert werden. Bei kranken Katzen gibt es noch viel mehr zu beachten (Natural Cat Food, S. 142).
Beschaffung:
Fleisch: Am billigsten wäre es wohl, wenn man einen "Deal" mit einem regionalen Metzger oder Schlachthof macht. Manchmal geben diese günstig oder umsonst Schlachtabfälle ab, die die Fleischbeschau nicht bestanden haben (zu durchwachsen, entspricht nicht den optischen Anforderungen für die Ladentheke). Womöglich kommt man so sogar an günstiges Biofleisch. Ansonsten kann man Fleisch auch im Internet bestellen (lohnt sich erst in großen Mengen) oder ganz stumpf im Supermarkt kaufen.
Internetshops:
https://www.das-tierhotel.de/" onclick="window.open(this.href);return false;
http://www.barfer-shop.org/" onclick="window.open(this.href);return false;
Suppis: Taurin, Lachsöl und weitere Suppis kann man z. B. bei
http://www.lillysbar.info/" onclick="window.open(this.href);return false;
Lachs gibt es im Supermarkt oder auf dem Markt oder bei jedem Fischhändler des Vertrauens.
Taurin gibt es außerdem auch in der Apotheke (teuer), Öle in Reformhäusern oder Bioläden (dort gibts auch Meersalz und Bierhefe). Lachsöl- und Vit. E Kapseln gibt es auch in Drogerien.
Ich hab am Anfang alles bestellt, weil ich noch nicht so den Überblick hatte. Mit der Zeit geht das besser und man findet heraus, wo es was günstig gibt.
Wenn man richtig loslegen will mit den Suppis, benötigt man auch eine Feinwaage.
Das ist natürlich jetzt ziemlich viel und man sollte das ganze langsam angehen. Mit 20% Fleisch kann man gut starten, und wenn das dann klappt (was nicht von heute auf morgen passieren wird), kann man weiter sehen...
In der Zeit kann man sich weiteres Wissen anlesen und mit den ersten einzelnen Suppis experimentieren (denn auch diese mögen die Katzen nicht unbedingt widerstandslos). Wenn die Katzen ein Suppi verschmähen, muss man es unter Umständen einschleichen. Bei meinen Allesfressern war das glücklicherweise nicht nötig.
Weitere hilfreiche Links:
Diese Auflistung kann natürlich gerne ergänzt werden, dann haben Interessierte hier vielleicht eine kleine Wissensfundgrube für den Start.
Edit: Blaue-Samtpfote-Link ergänzt
Edit (27.7.11): Shop entfernt, der leider nicht mehr gut ist




Vielen lieben Dank.
Nimmt vor allem ein wenig die Scheu davor, weil man keine Ahnung hat, was es damit eigentlich auf sich hat ... und so viele tolle Tipps *schwärm*
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