Ich höre das Sprichwort „Eine Katze hat sieben Leben“ besonders oft von Katzenbesitzern. Übrigens, in den USA/UK und Spanien verlängert sich die Zahl um 2 – laut dem Sprichwort haben die Katzen dort also neun Leben (selbst John Lennon, Beatles, singt in einem seiner Lieder: „You know, that a cat has nine lives“). Ich bin auch der Meinung, dass 9 – die richtige Zahl ist.
Viele Menschen denken, dass die Redensart „Eine Katze hat 9 Leben“ auf ihre Fähigkeit zurückzuführen wäre, Stürze aus großer Höhe unbeschadet zu überstehen. Diese Fähigkeit haben die Katzen schon, jedoch das erklärt den Inhalt des Sprichwortes nicht.
Jeder Katzenbesitzer kennt die Situation wenn die Katze sich auf den Stuhl neben dem gedeckten Tisch setzt. Viele Menschen interpretieren dieses Verhalten so, als wollten die Katzen davon naschen oder gar betteln. Es sind aber absolut absurde Behauptungen, die übrigens von missgünstigen Hundebesitzern verbreitet wurden! Die Katze möchte einzig und allein aufgrund einer 4000-jährigen Tradition von jeder Speise vorsorglich kosten.
Bekanntlich hatten die ägyptischen Pharaonen ihre Vorkoster, die sie vor verdorbenen Speisen schützen sollten, bevor diese zum allgemeinen Verzehr freigegeben wurde. Die ägyptischen Menüs bestanden, wie man heute aus der Rekonstruktion dieser Zeit weiß, normalerweise aus jeweils 9 Speisen. Jede davon konnte schlecht geraten oder verdorben sein – wenn man das heiße Klima in jener Region von damals bedenkt, war dieses Problem keine Außergewöhnlichkeit. Da nun die Katze über das empfindlichste Geschmacksorgan aller Tiere verfügt, ist es nur natürlich, dass sie den idealen Vorkoster darstellt. Sie durfte deshalb von jeder der 9 Speisen ein Kostprobe nehmen, wovon die Volksweisheit hervorgeht, dass eine Katze 9 Leben habe.
Ich hoffe, dass dieser kurze historische Exkurs euch, außer der Erklärung der Entstehung von der Weissagung „Katzen haben 9 Leben“, doch noch auf die Tradition unserer Hauskatze aufmerksam gemacht hat. Ohne es zu wissen, würden wir unserer Katze nur Neugier bzw. Hunger zusagen. Diese Einfachheit würde die Historie der Hauskatze nur schmälern und das wäre zu schade.
Nun zu letzt noch ein Tipp von mir: wenn du dieses Ritual deiner Katze aufmerksam verfolgst, wirst du bald merken, wie sorgfältig die Katze dabei vorgeht – sie widmet sich nämlich bevorzugt den leichtverderblichen Speisen. Mit gespanntem Geruchsinn erwartet sie ihren obligatorischen Probebissen – manchmal legt sie auch mahnend eine Pfote auf das Knie. In dringenden Fällen, bei denen man voreilig schon fast den Bissen im Munde hat, ist es der Katze geboten, die mahnenden
Krallen zu benutzen.
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Quelle: Buch „Von Katzen und anderen Menschen“



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