von Tatze » 08.01.2008 12:00
Hallo,
ich denke, dass dein Kater ein ausgeprägtes Revierverhalten haben könnte. Er siet Besucher möglicherweise als Eindringlinge.
Vielleicht ist er auch verärgert, dass er, wenn der Besuch da ist, nicht mehr im Mittelpunkt steht.
Dass viele Wohnungskatzen, besonders wenn sie alleine gehalten werden, Verhaltensprobleme entwickeln, weil sie unterfordert sind hast du schon ganz richtig erkannt.
Wichtig ist bei diesen Angriffen, dass Du und der Besuch den Kater völlig ignoriert. Das ist natürlich schwierig, wenn er in Angriffslaune ist. In einem Buch über Katzenverhaltensforschung habe ich zu einem solchen Fall gelesen, dass man Stiefel und andere Schutzkleidung (Handschuhe, Lederhose) tragen sollte, damit der Kater keine Verletzungen verursachen kann. Für die Katze sind diese Angriffe ein Spiel. Und je mehr Aufmerksamkeit sie dadurch erlangt, desto mehr Spaß macht es ihr auch. Auch ein Nein, ein Pusten und Rumgefuchtel ist Aufmerksamkeit und somit eine Bestätigung. Wenn man der Katze bei Angriffen keine Aufmerksamkeit mehr schenkt, verliert sie irgendwann die Lust und hört auf. Ich kann dir leider nicht sagen wie lange es dauert, aber ein paar Wochen wirst du dich wohl gedulden müssen. Am besten ignoriert der Besuch den Raubauken grundsätzlich.
Die Idee mit der Zweitkatze ist theoretisch nicht schlecht. Allerdings musst du darauf gefasst sein, dass dein kleiner Racker den Neuankömmling nicht mit offenen Armen empfangen wird. Die Eingewöhnung eines neuen Familien,mitgliedes verlangt viel Fingerspitzengefühl und nicht immer klappt die Zusammenführung. Auf lange Sicht ist es auf jeden Fall eine gute Idee. Man sagt, dass zu einem Kater am besten ein kleines Katzenmädchen passt. Manche Kater entwickeln sogar richtige Muttergefühle, wenn so ein kleiner Wurm durch die Gegend tapst. Bei Kätzinnen ist es oftmals schwieriger, weil sie ein noch ausgeprägteres Territorialverhalten haben. Wichtig ist, dass jede Katze ihren eigenen Schlafplatz, eigene Näpfe und ein eigenes Toi haben.
Ansonsten solltest du vielleicht über eine Kastration nachdenken bevor er noch zu Spritzhanen anfängt.
Ach ja und nochetwas. Ab sofort solltest du nur noch Spiele auf Distanz, z.B. mit einer Reizangel, Ballchen u.s.w. spielen. Er muss lernen, dass Kratzen und beißen kein Spiel ist. Auch kleine Kämpfe mit der Hand solltest du vermeiden. Wenn er dich beim Spielen doch mal kratzt solltest du laut Au schreien, Dich umdrehen und das Spiel sofort beenden.
Ich hoffe, dass ich dir ein bisschen helfen konnte. Auch wenn Katzenerziehung eine anstrengende Sache ist, wirst du bestimmt den längeren Atem haben.
Ich habe hier noch einen interessanten Buchtip, falls du dich dafür interessierst: Die Katzenflüsterin von Vicky Halls.
Dort beschreibt die Autorin viele Fälle - einige passen auch zu deinen Beschreibungen - und mögliche Therapieansätze.