Bisher scheint es keinen Thread zu der Diskussion zu geben, ob man ausschließlich Trockenfutter füttern sollte oder nicht. Da ich für zorri per PN die Infos gerade so schön zusammen gestellt habe, möchte ich auch die anderen daran teilhaben lassen. Gerne freue ich mich über Anregungen und Kritik zu dem Thema.
Ein paar Weisheiten zum Thema Trockenfutter:
"Katzen, die Trockenfutter bekommen, trinken automatisch mehr als Katzen, die Nassfutter bekommen."
"Trockenfutter ist gut für die Zähne."
"Trockenfutter ist viel praktischer als Nassfutter, da man es den ganzen Tag stehen lassen kann, ohne lästigen Geruch oder Fliegen."
"Trockenfutter ist als Alleinfuttermittel deklariert, also bekommt meine Katze doch alles, was sie benötigt."
"Es gibt doch nierenfreundliches Trockenfutter!"
Nun zu den Fakten bzgl. Trockenfutter und Katzenernährung.
Wasseraufnahme:
Aufgrund ihrer Abstammung von der afrikanischen Wildkatze, welche in wärmeren Gefilden lebte, haben Katzen kein ausgeprägtes Durstgefühl, weil sie die benötigte Flüssigkeit über ihre Beutetiere aufnehmen. Mäuse oder auch Vögel bestehen (wie der Mensch im übrigen auch) zu mehr als 70% aus Wasser. Also nimmt die Katze beim Mäuse fangen schon ausreichend Flüssigkeit auf, so dass sie äußert selten mal überhaupt zum Wassernapf geht um zu trinken. Auch in den meisten Nassfuttersorten liegt darum der Flüssigkeitsanteil bei mind. 70%, oft sogar bei 80%.
Gängiges Trockenfutter hat weniger als 10% Flüssigkeit. Jeder kann einen kleinen Test zuhause durchführen, wie viel Wasser von Trockenfutterbrocken aufgesaugt wird, wenn man sie tränkt. Trockenfutter entzieht der Umgebung ziemlich viel der vorhandenen Flüssigkeit.
Trockenfutter liefert dem Katzenkörper nicht die benötigte Flüssigkeit, sondern entzieht zusätzlich welche. Eine ausschließlich mit Trockenfutter gefütterte Katze muss also viel selbst trinken, um das durch das Futter erzeugte Ungleichgewicht auszugleichen und zusätzlich den Tagesbedarf an Flüssigkeit zu decken. Umgerechnet auf den Tagesbedarf ergibt das die vierfache Menge des Trockenfutters, was sie pro Tag bekommt. Bei einer Portion von 100g pro Tag ergibt sich eine Wasserportion von 400 ml pro Tag pro Katze.
Trinkgewohnheiten:
Wenn eine 5 kg Katze 400ml Wasser am Tag trinken würde, wäre also alles in Ordnung?! Nur leider tut sie das nicht. Auch ich habe zu Trockenfutterzeiten festgestellt, dass meine Katzen vermehrt getrunken haben, teilweise haben sie geschlabbert wie ein Hund. Sie kamen jedoch NIE annähernd auf die Mengen, die sie hätten trinken müssen. Oben genanntes "Argument Nr. 1" ist also oberflächlich betrachtet richtig, aber löst nicht das Problem.
Betrachtet man die Hintergründe, ist ein vermehrtes Trinken sogar ein Warnsignal für jeden Katzenhalter.
Durst bei Katzen:
Durch ihre Wüstentier-Vergangenheit haben Katzen ein sehr wenig ausgeprägtes Durstgefühl. Das bedeutet, dass sie ziemlich spät Durst bekommen, nämlich erst dann, wenn die Dehydrierung bereits eingesetzt hat. Die Katze sollte aber natürlich nicht erst Flüssigkeit zu sich nehmen, wenn sie beginnt zu dehydrieren, sondern viel früher.
Katzen, die viel trinken, dehydrieren also oftmals bereits.
Folgeschäden:
Durch die fehlende Flüssigkeit ist der Harn stets höher konzentriert als normal. Harn hat insbesondere in konzentrierter Form leider die Angewohnheit, ein Nährboden für Kristalle, Blasen- und Nierensteine zu sein. Dies führt außerdem verstärkt zu Blasenentzündungen. All diese Harnwegserkrankungen können mitunter tödlich enden und sind äußerst schmerzhaft für das Tier.
Nierenfreundliches Trockenfutter:
Die Inhaltsstoffe Magnesium und Phosphor im Trockenfutter in Verbindung mit konzentriertem Harn begünstigen insbesondere die Bildung von Struvitsteine sehr. Darum ist in nierenfreundlichem Futter viel weniger von den "gefährlichen" Stoffen enthalten. Leider gehören Magnesium und Phosphor mit zu den überlebenswichtigen Stoffen, die eine Katze dummerweise dringend benötigt. Bekommt sie diese dauerhaft nicht bzw. zu wenig, wird sie auf lange Sicht Mangelerscheinungen bekommen, welche sich bei Magnesium und Phosphor in Form Wachstumsstörungen, Muskelschwäche, Krämpfen bzw. Bewegungsstörungen, Knochendeformationen und Spontanfrakturen.
Zahnpflege:
Trockenfutter ist viel zu klein, um tatsächlich eine gute reinigende Wirkung auf die Zähne zu haben. Hinzu kommt, dass sich der klebrige Rest der aufgeweichten Trockenfutterbrösel als zäher Belag auf die Zähne legt. Sinnvoll für die Zahnpflege sind schön durchwachsene rohe Stücke Fleisch, Trockenfleisch oder Eintagsküken und Mäuse einmal die Woche.
Beobachtet eure Katze einmal, wie lange sie darauf "rumarbeiten". Das säubert nicht nur die Zähne sondern stärkt auch noch die Körpermuskulatur.
Trockenfutter als Alleinfuttermittel:
Allein schon von der Zusammensetzung her ist ein Trockenfutter nie geeignet als Alleinfuttermittel, weil es viel zu wenig Fleisch und viel zu viel Getreide enthält. Auch wenn Hersteller das gerne drauf schreiben, so entspricht es doch leider nicht der Wahrheit. Die Zusammensetzung des Trockenfutters ist nicht artgerecht.
Trockenfutter ist praktisch:
Tja, das ist es! Das ist auch die einzige These von oben, die ohne wenn und aber zutrifft.
Jeder sollte sich die Frage stellen, ob er diesen Komfort erkaufen möchte mit der Gesundheit seiner Katze.
Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hauskatze
http://www.hauspuma.de/Gesundheit/Ernae ... futter.htm
Natural Cat Food, v. Susanne Reinerth
Nachdem mir das alles klar wurde, habe ich die Trockenfütterung bei uns komplett eingestellt. Wir füttern Trockenfutter nur noch als Leckerli beim Clickern, denn die im Handel angebotenen Leckerlis sind ja auch meistens ungesund (Zucker oder Milchprodukte sowie zu viel Getreide).
Für mich persönlich gibt es keine nachvollziehbare Erklärung dafür, eine Katze ausschließlich mit Trockenfutter zu füttern.






